Auswandern -     Die Kanarischen Inseln

Selbstständig auf den Kanaren

Selbstständig auf den Kanaren

Hallo!

Wie lebt es sich als Selbstständiger auf den Kanaren?

Vielleicht kann mir jemand eine Frage beantworten:

Wie lange kann man dort leben, wenn man eine eigene Unterkunft hat, sowie 100.000 Euro Ersparnisse mitbringt, und das Geschäft schlecht läuft?

Angenommen, ich würde 0 EUR/ Monat einnehmen, wie lange würde das Geld dann herhalten?

Habe keine Ahnung, was so an Steuern, Versicherungen usw. zu zahlen sind.



PS: Habe nicht vor, keinen Umsatz zu machen, ich gehe nur vom Schlimmsten aus, und mit jedem Euro den ich einnehme, kann ich mehr Zeit dort verbringen.


viele Grüsse

Jagg

Re: Selbstständig auf den Kanaren

Hola,

als Selbstständiger auf den Kanaren lebt es sich sehr gut, wenn man wenigstens einigermassen erfolgreich ist. Das Problem ist meistens nur, wo man eine einigermassen tragfähige Existenz herbekommt, wobei das aber alles noch nicht so eng wie in DE ist.

Bei einfachen Ansprüchen benötigt man etwa 1.000 € für das "überleben". Mit Auto und wenigstens kleinen Lebensfreuden sollte man mit 1.500 bis 2.000 Euro/Monat rechnen.

Man muss als Selbständiger in die SV einzahlen. Der Monatspflichtbeitrag liegt bei um die 250 Euro. Bei kleineren Geschäften ist die Steuerlast eins Selbstständigen marginal. Erst wenn die Gewinne über ca. 60.000 Euro/Jahr gehen (Faustregel), muss man auf die Steuer wirklich achten.

Saludos de las Islas Canarias


Re: Selbstständig auf den Kanaren

Zitat: colon
Das Problem ist meistens nur, wo man eine einigermassen tragfähige Existenz herbekommt, wobei das aber alles noch nicht so eng wie in DE ist.Hallo Colon,

wie meinst Du das genau ? In andren Postings von Dir beschreibst Du die Möglichkeiten auf den Kanaren als Selbständiger sehr vielversprechend. Wieso jetzt diese Einschränkung. Bezieht sich Deine Aussage auf den Kauf od. die Idee für eine/r Existenz ?

Gruß technikus

Re: Selbstständig auf den Kanaren

Zitat: technikus
...In andren Postings von Dir beschreibst Du die Möglichkeiten auf den Kanaren als Selbständiger sehr vielversprechend. Wieso jetzt diese Einschränkung.... Hola Technikus,

eine berechtigte Frage bei meiner Formulierung.

Die Chancen sínd unverändert gross auf den Kanaren. Meine Skepsis bezieht sich eher auf die Leute nach Chancen suchen, bzw. wie sie die umsetzen wollen.

Die deutschen sog. Geschäftseinwanderer haben oft nicht die Flexibilität an die Marktverhältnisse hier anzupassen. Beipiel: Ich gebe den Tip weiter, dass die Kanaren 80 der benötigten Lebensmittel einführen. Das liest dann jemand in DE mit Lebensmitteleinzelhandelhindergrund, sieht, dass hier viele Deutsche wohnen und hält es dann typischerweise für eine geniale Geschäftsidee, einfach ein Geschäft mit deutschen Produkten aufzumachen - und wundert sich über eine Bauchlandung, weil es hier schon einige gut etablierte Deutsche Läden gibt.

Dieser Lebensmittelfachmann hätte seine Talente doch besser eingesetzt, indem er
a. besser recherchiert hätte, welche Lebensmittelimporte ich durch örtliche Produktion hier profitabel herstellen kann und
b. die Flexibilität zu haben, eine solche Markterkenntnis in einem fachlich hochwertigen, innovativen (und dann auch garantiert profitablen) Konzept umzusetzen.

Es ist unglaublich, wie oft diese "Talentverschwendung" vorkommt. Der qualifizierte Handwerker meint plötzlich, eine Kneipe sei passend für ihn. Oder (ich kann es nicht mehr hören) "wir fangen erstmal klein an, und wenn wir dann viel Geld verdient haben, dann wird richtig investiert". Nix gegen "klein anfangen" aber warum sollte man "mit klein anfangen so viel Geld verdienen, und warum sollte man dann investieren, wenn das mit wenig Investitionen gut läuft.

Saludos de las Islas Canarias


Re: Selbstständig auf den Kanaren

@colon

Na, um solche Fehler zu vermeiden gibt es dieses Forum

Ich würde in jedem Fall zumindest mal dort Urlaub machen und mich genauestens über alles erkundigen, evtl. dann vor dem Auswandern nochmal ein halbes Jahr dort leben, so eine Art Auszeit, bevor ich entgültig da hinziehe.
Vielleicht ändert sich mein Traum.Ziel auch, bin schon zweimal umgeschwenkt.
Sankt Martin in der Karibik:
Kann man vergessen, nichts anderes als eine Stadt umringt von Meer und alles sauteuer.

Dominikanische Republik: zu viel Kriminalität, Korruption, und ein Scheidungsrecht dass es einem die Zehennägel aufstellt(Frau bekommt ALLES, Mann NICHTS, schlimmer noch wie in Deutschland)

Gelten auf den Kanaren eigentlich ganz normal die Gesetze von Spanien?

mfg

Jagg

Re: Selbstständig auf den Kanaren

Hola Jagg,

vielleicht ist ein ganzes Jahr "Probewohnen" ein bisschen zu viel des Guten (kostet ja auch), aber das zielt natürlich in die richtige Richtung: man muss intensivst und professionell recherchieren und vergleichen, planen, rechnen.

Neulich war im deutschen Fernsehen ein Fall aus meiner Nachbarschaft zu sehen, wo Deutsche eine völlig heruntergekommene Kneipe (!), die traditionell nicht lief (!!) zu einem absolut überteuerten Preis (!!!) via Internet ohne vorherige Besichtung (!!!!) via Makler (!!!!!) gekauft (!!!!!!) haben. Wer meint das ist ein krasser Einzelfall: Irrtum, das ist hier eher der Regelfall. Und es ist sogar hier im Forum so, dass sich manche Leute, die man auf die Risiken bzw. bessere Vorgehensweisen hinweist, sogar noch darüber beschweren.

Am Ende des Tages liest man dann auch noch, wie "arme Deutsche" immer von den bösen Ausländern übers Ohr gehauen werden. In Wirklichkeit geht die Geschichte dann so weiter, dass dieser Deutsche für sein Schrottobjekt wieder einen Dummen sucht, den er dann auch häufig findet (s.o.) usw...

Die Kanaren unterliegen mit Ausnahmen (z.B. teilweise Steuerrecht, öffentliches Recht, Seerecht) spanischen Recht und spanischer Justiz. Da die Politik sehr unabhängig ist, ist die der Vollzug spanischer und europäischer Gesetze manchmal etwas "eigenwillig". Darüberhinaus gibt es einige Besonderheiten durch den Status der Kanaren als "ultraperipheres Gebiet" der europäischen Gemeinschaft.

Saludos de las Islas Canarias


Re: Selbstständig auf den Kanaren

Zitat: colon
Neulich war im deutschen Fernsehen ein Fall aus meiner Nachbarschaft zu sehen, wo Deutsche eine völlig heruntergekommene Kneipe (!), die traditionell nicht lief (!!) zu einem absolut überteuerten Preis (!!!) via Internet ohne vorherige Besichtung (!!!!) via Makler (!!!!!) gekauft (!!!!!!) haben.Heftig. Aber irgendwie denke ich immer, wenn man so dumm ist, hat man es auch nicht besser verdient als auf die Nase zu fallen. Schlimm ist es eben, wenn diese Einfaltspinsel dann selber quasi zu Kriminellen werden, wenn sie das dann weiterverkaufen.

Aber kann mir irgend jemand erklären, was so toll daran ist, eine Kneipe zu haben? Schon immer gab es den Spruch "Wer nichts wird, wird Wirt", sprich, indem man eine Kneipe aufmacht, gibt man zu, daß man ein Versager ist und es zu nichts bringt oder gebracht hat. Wieso sind dann alle so wild, das zu beweisen? Gerade wenn man einen richtig brauchbaren Beruf hat wie z.B. Handwerker? Eine Kneipe zu betreiben bedeutet von morgens bis abends hinter dem Tresen zu stehen, zu kochen, zu putzen, nicht wegzukönnen. Als Handwerker kann man irgendwann mal Feierabend machen und hat es doch viel besser. Ich verstehe das einfach nicht.

Gruß
Anna


Re: Selbstständig auf den Kanaren

Zitat: Anna_kl
...Aber kann mir irgend jemand erklären, was so toll daran ist, eine Kneipe zu haben? ...Hola Anna,

da gibt es es einige Standardgründe.

Kneipen in Touristengebieten werden von Maklern in der ersten Reihe und laut angeboten. Das heisst, dass die Akquisition einer Kneipe relativ einfach ist. Das diese Angebote fast immer (und überall auf der Welt) Schrott sind, steht auf einem anderen Blatt. Will ich zum Beipiel einen Handwerksbetrieb für die Restauration von Kunstwerken oder eine Trainingscenter für Buchhaltungssoftware kaufen, finde ich dieses Angebot nur indem ich intensiv vor Ort recherchiere. Der Makler mit der Kneipe kommt sozusagen per Internet zu mir auf Deutsch problemlos ins deutsche Wohnzimmer.

Man traut sich die neue Sprache nicht zu und meint, dass man mit einer Touristenkneipe in einer touristischen Umgebung mit Deutsch und ggf. noch Englisch schon weiterkommen wird.

Der Kaufpreis für eine Kneipe liegt hier meistens zwischen 50 und 200 TEuro, eine Summe die viele notfalls noch mit Bankfinanzierung aufbringen können. Dass man bessere nicht gastronomische Betriebe für weniger Geld kaufen kann, geht an diesen Leuten einfach vorbei (s.u.).

Man muss (vermeintlich oder tatsächlich) kein örtliches Personal anstellen, sondern kann die eigene Familie einspannen.

Das deutsche Prinzip Hoffnung = wenn man so richtig deutsch fleissig und gründlich ist (auf jeden Fall besser als die "Ausländer", die das ja so gar nicht kennen), dann schafft man es überall.

Macht man solche Leute auf Risiken oder alternative Chancen aufmerksam, reagiert dieser Typus mit einer Mischung aus Naivität, Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und Dummheit. Am deutschen Wesen... .

Saludos de las Islas Canarias



Re: Selbstständig auf den Kanaren

Junge, Junge ... kein Wunder, daß so viel Auswanderer es mit dieser Einstellung nicht schaffen.

"Trainingscenter für Buchhaltungssoftware" kann man kaufen? Das würde mich interessieren. War das ein erfundenes Beispiel oder gibt es das wirklich? Wie ist es mit Buchhaltern auf den Kanaren? Hier in Namibia gibt es davon nicht genug. Nicht genug Qualifizierte jedenfalls. Wir hatten am Anfang Ärger mit unserem Vermieter, weil er meinte, wir hätten die Miete nicht bezahlt - die wir natürlich jeden Monat brav überwiesen hatten -, weil er nämlich eine "Buchhalterin" hatte, die noch nicht einmal einen Bankauszug lesen konnte.

Lieben Gruß
Anna

Re: Selbstständig auf den Kanaren

Zitat: Anna_kl
..."Trainingscenter für Buchhaltungssoftware" kann man kaufen? ...War das ein erfundenes Beispiel oder gibt es das wirklich?

...Wie ist es mit Buchhaltern auf den Kanaren? ...Hola Anna,

ein Trainingscenter u.a. für Buchahltungssoftware wurde neulich angeboten und es fehlt auch noch viel Ausbildungskapazität für Buchhaltungsstandardsoftware. Die wird hier verkauft, ohne dass Schulung auf den Kanaren angeboten wird.

Ausbildungskosten werden hier übrigens oft vom Arbeitsamt bezahlt, weil es neben den üblichen Sozialabgaben auch eine feste Abgabe für berufliche Weiterbildung gibt, aus denen diese Programme bezahlt werden.

Zu den Buchhaltern: ¡Un desastre! Ich habe z.B. einem Buchhaltungsservice gekündigt und ihn letzten Endes auf Herausgabe der Unterlagen verklagen müssen, weil der sich über ein Jahr geweigert hat, anzuerkennen, dass er ordnungsgemäss bezahlt worden ist. Der hat seine Zahlungseingänge auf seinem Bankkonto nicht verwalten können. Mit anderen Worten, es gibt viel zu wenige und die es gibt haben nur fragmentarisches Wissen. Ich habe noch niemanden aus der Branche gefunden, der sich auch nur zu den Themen SV, Steuern und Arbeitsrecht einigermassen übergreifend erklären wollte. Man ist Spezialist und man so benötigt man immer mehrere von diesen Leuten, um alles abzudecken und "Ratschläge" die man so erhält, schliessen sich oft gegenseitig aus oder sind einfach falsch.

Ich habe schon öfters deutsche Buchhalter angesprochen, ob die hier nicht ein Büro eröffnen wollen. Die hatten dann letztlich alle andere Pläne (u.a. Tauchschule, Restaurant - kein Quatsch).

Saludos de las Islas Canarias