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Leserbrief: Holcim kritisch begleiten. WZ vom 20.05.2010

Leserbrief: Holcim kritisch begleiten. WZ vom 20.05.2010

Leserbrief:
Kritisch begleiten


Zum Artikel „Holcim investiert 7 Millionen Euro“ vom 11. Mai:

Und
wieder einmal wird deutlich, dass Holcim es versteht, sich in der
Öffentlichkeit positiv zu präsentieren. 2009 war es die kleine Ölkanne
und deren Befestigung an einem Fahrrad, die das Schmiermittel durch das
Werk fährt und einen Umweltpreis erhalten hat. Anfang diesen Jahres ist
es eine uralte Diesellok, die den Lägerdorfern 101 Lkw erspart, wofür
Holcim als umweltbewusst gelobt worden ist - deren Dieselabgase aber
sicher nicht ohne sind. Und nun verringert Holcim seine Emissionen und
den CO2-Ausstoß...


Das ist eine falsche Darstellung, denn der tatsächliche CO2-Ausstoß wird nicht verringert! Die Produktion
von 1 t Klinker verursacht ca. 1 t CO2-Ausstoß
und das bleibt auch bei einer Erhöhung der Ersatzbrennstoffrate auf 100
Prozent so. Durch den Einsatz von quecksilber-belastetem
Klärschlamm wird ein biogener Brennstoff eingesetzt, d.h. dieser
Brennstoff belastet das der Holcim zugewiesene CO2-Kontingent
nicht. Holcim muss seit der zweiten Handelsperiode 2008 bis 2012 mit CO2-Zertifikaten nämlich einen Teil des CO2-Ausstoßes bezahlen mit zur Zeit ca. 13 Euro pro
Tonne. Nach Analystenmeinung wird der Preis gegen Ende der zweiten
Handelsperiode 2012 auf ca. 20 Euro steigen. Hinzu kommt, dass die Firma
für die Entsorgung problematischer Abfallstoffe Erlöse erzielt. Also
wird sich die geplante Investition bald bezahlt gemacht haben. Machen
wir uns nichts vor, es handelt sich um ein börsenorientiertes
Unternehmen, das seinen Aktionären Gewinnausschüttung zukommen lassen
will, und nicht um einen Wohltäter. Das Ergebnis je Aktie hat sich schon
von 2008 auf 2009 mehr als verdoppelt und das ist natürlich auch die
Motivation, die das Unternehmen zur Investition treibt.


Durch den Einsatz von Klärschlamm erhöhen sich Emissionen um ca. 11
Prozent und damit auch die Schadstofffrachten. Dioxine, Furane und
chemische Verbindungen, die noch unbekannt in ihrer schädlichen
Auswirkung auf Mensch und Umwelt sind. Noch schlimmer ist es beim
hochgiftigen Quecksilber, hier könnten sich die Schadstofffrachten fast
verdreifachen.


Vermutlich werden immer die gesetzlichen Grenzwerte auf dem Papier
eingehalten, das heißt aber noch lange nicht, dass das für Menschen und
Umwelt gesund ist! Die BIAB Lägerdorf wird das Scoping- und das
anschließende Genehmigungsverfahren kritisch begleiten. Silke Lange
BIAB Lägerdorf