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Transformatoren für Offshore-Strom. WZ vom 19.07.2013

Transformatoren für Offshore-Strom. WZ vom 19.07.2013



Kraftpakete für Offshore-Strom
Umspannwerk Büttel mit zwei weiteren Transformatoren für die Umwandlung von auf See erzeugter Windenergie ausgebaut
Büttel

Jeweils mehr als eine Stunde haben die beiden nächtlichen
Schwertransporte vom Elbehafen Brunsbüttel zum Umspannwerk des
Stromnetzbetreibers Tennet in Büttel gedauert. Auf einem Tieflader, der
von 22 Achsen mit jeweils acht Rädern getragen wird, wurden zwei jeweils
360 Tonnen schwere Transformatoren über die Hamburger Straße, den
Holstendamm und die Schleswiger Straße zum Aufstellungsort im Bütteler
Ortsteil Kuhlen bugsiert. Hier soll künftig der in vier Offshore-Windparks
in der Nordsee gewonnene Strom mit einer Spannung von 380 Kilovolt (kV)
in das öffentliche Stromnetz und die Stromautobahnen in den Süden
Deutschlands geleitet werden.


In Büttel entstehen vier Konverterhallen mit jeweils zwei davor
gelagerten gigantischen Transformatoren. Sie werden vom Anlagenbauer
Siemens geliefert und von Nürnberg auf dem Wasserweg bis zum Elbehafen
transportiert und dort auf den Spezialtieflader gehoben. Mit den jetzt
gelieferten Trafos sind sechs der insgesamt acht notwendigen
Transformatoren vor Ort. Das Umspannwerk Büttel soll in absehbarer Zeit
den Offshore-Strom aus den Windparks Helwin 1
und 2 sowie Sylwin 1 und 2 aufnehmen. Helwin steht für die Windparks bei
Helgoland und Sylwin für zwei weitere Windparks vor Sylt.


Jeder Offshore-Windpark wird ähnlich einer
Bohrinsel mit einer Konverterplattform ausgebaut und in Büttel mit
jeweils einer Onshorestation an das öffentliche Stromnetz angebunden.
Der Wechselstrom wird auf See in Gleichstrom umgewandelt, für den
weniger aufwändige und verlustärmere See- und Erdkabel verlegt werden.
In Büttel wird der Gleichstrom wieder in großen Konverterhallen zu
Wechselstrom konvertiert und in den jetzt angelieferten Trafos auf eine
Spannung von 380 kV „aufgewertet“.


In absehbarer Zeit sollen die Onshore-Stationen
in Büttel nach und nach in den Probebetrieb gehen. Für Helwin 1 schon
im nächsten Monat, für Sylwin 1 vermutlich im Oktober/November und für
Helwin 2 ein Jahr später. Das kündigte der holländische Tennet-Baustellenkoordinator
und Teilprojektleiter Tød Steemers an. „Im Probebetrieb werden alle
denkbaren Störfälle simuliert und durchgespielt“, beschrieb Steemers die
Notwendigkeit des Testbetriebs.


Wie Tennet-Pressesprecherin Henrike Lau ergänzte, könnte schon Ende 2014 der erste Offshore-Strom
über das Umspannwerk Büttel in das große nationale und internationale
Stromnetz eingespeist werden. Von Büttel aus soll ein großer Teil des
Stroms über eine Höchstspannungsleitung zum Schaltwerk Wilster in der
Gemeinde Nortorf geleitet und dort in das öffentliche Netz eingebunden
werden. Obwohl schon erste vorbereitende Arbeiten für den vierten
Windpark Sylwin 2 durchgeführt werden, befindet sich dieser letzte
Bauabschnitt immer noch im Planungsstadium.


Mit dem Projekt Helwin 2 wird eine 690 Megawatt starke Netzanbindung
für Windparks bei Helgoland realisiert. Er ist der dritte Anschluss in
der östlichen Nordsee, in den zunächst auch der Offshore-Windpark
Amrumbank angebunden werden soll. Die Trasse verläuft von der
Konverterstation auf See 85 Kilometer weit bis zum Anlandepunkt in Büsum
und von dort weitere 45 Kilometer weit quer durch Dithmarschen bis nach
Büttel.


Stromnetzbetreiber Tennet sieht in den zwei Anschlüssen in der
deutschen Nordsee und in neun weiteren Anschlussprojekten wichtige
Infrastrukturprojekte mit einer Übertragungskapazität von 6,2 Gigawatt
Strom aus erneuerbarer Energie. „Damit trägt Tennet dazu bei, dass
Offshore-Windenergie einen wichtigen Beitrag für die Energieversorgung der Zukunft leisten kann“, unterstrich Henrike Lau.


Jochen Schwarck