Jugendamtsterror und Familienrechtsverbrechen - Kinder- und Jugenddelinquenz

Kind im Knast - Leben kaputt

Kind im Knast - Leben kaputt

Kind im Knast - Leben kaputt
Neue Initiative will Eltern zur Seite stehen

Oldenburg (ddp). Dennis kam mit 19 ins Gefängnis. Als er von der
Polizei abgeführt wurde, brach für seine Mutter Undine Schulz die
Welt zusammen. Ihr Sohn hatte einen bewaffneten Raubüberfall auf
einen Imbiss begangen. Dabei hatte sich ein Schuss gelöst, ein Mensch
wurde verletzt. Dennis bekam drei Jahre und neun Monate. Seine Mutter
zerfleischte sich mit Selbstvorwürfen und vor Scham. «Ich bin krank
geworden», sagt die 48-jährige Oldenburgerin. In der Folge verlor sie
ihren Job als Hauswirtschafterin. «So konnte es nicht weitergehen.»
Schließlich fasste sie sich und gründete die bundesweit erste
Selbsthilfegruppe für Eltern straffällig gewordener Kinder.

«Ich wollte mich austauschen mit Betroffenen», sagt die
alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Die Resonanz habe sie
überwältigt. Seit der Gründung des Vereins «Mein Kind im Knast - oder
kurz davor (Kimka)« im September vergangenen Jahres meldeten sich bis
Mai fast 160 Eltern, danach zählte sie nicht mehr. »Es sind einfach
zu viele«, sagt Schulz. Die Angehörigen kommen aus ganz Deutschland,
deshalb will Schulz weitere Gruppen gründen. In Dresden, Itzehoe,
Delmenhorst und Leer gibt es bereits konkrete Planungen.

Das eigene Leben gerät aus den Fugen
Vielen Eltern werde der Boden so unter den Füßen weggerissen, wenn
ihr Kind ins Gefängnis muss, dass sie nicht mehr ihr eigenes Leben
meistern können. »Sie bekommen Depressionen«, hat Schulz die
Erfahrung gemacht. Eines hätten die Eltern gemeinsam, die anriefen.
»Sie haben sich immer schon um ihr Kind gekümmert.« Die Betroffenen
kämen aus allen Schichten, es seien Professoren, Ärzte und Anwälte
dabei. «Die Frage nach dem Warum stellen sie sich immer wieder.» Eine
abschließende Antwort gebe es nicht. Schulz weiß das aus eigener
Erfahrung. Die kriminelle Karriere ihres Sohnes entwickelte sich
schleichend.

Schulz redet mit den Verzweifelten, gibt konkrete Tipps. «Ich kann
sie beruhigen», sagt die Mutter, die inzwischen von «Hartz IV» lebt.
«Wenn die Eltern am Ende des Gesprächs sagen, es gehe ihnen schon
viel besser, ist das wie ein Geschenk.» Sie selbst hatte diese Hilfe
nicht. Sie fühlte sich damals ausgegrenzt, dachte, jeder wüsste
Bescheid. »Als ob ich ein Schild auf der Stirn hätte: Mein Sohn ist
kriminell.« Manchmal bekam sie zu hören: »Hättest du mal besser auf
dein Kind aufgepasst.«

Immer Kontakt gehalten
Auch ihre beiden Töchter, damals 15 und 21 Jahre alt, hatten
Schwierigkeiten. Sie konnten nicht begreifen, was ihr Bruder getan
hatte. Ihnen gegenüber musste Undine Schulz stark sein, obwohl sie es
eigentlich nicht war. Den Kontakt zu Dennis haben die drei immer
aufrecht erhalten. Sie besuchen ihn regelmäßig in der Jugendanstalt
Hameln. Demnächst will Schulz Fahrgemeinschaften für andere Eltern
organisieren.

Zudem sucht sie nach einem großen renovierungsbedürftigen Haus,
als Anlaufstelle der Straffälligen nach Verbüßung ihrer Strafe.
Oftmals wollten weder die Eltern noch die Betroffenen die Rückkehr
ins Elternhaus. »Die jungen Leute brauchen eine Aufgabe, eine
Perspektive«, sagt Schulz. In dem Haus könnten sie in einer
Wohngemeinschaft unter SchulzŽ Leitung leben und es dabei instand
setzen. Doch für das Projekt fehlt Geld. »Es ist schwer, für so ein
Tabuthema Sponsoren zu finden», sagt Schulz.

Weitere Informationen unter www.kimka-ev.de

07.09.2008 Ta
http://www.e110.de/artikel/detail.cfm?pageid=65&id=90271