Jugendamtsterror und Familienrechtsverbrechen - Pflegefamilien und Adoptionen

Menschenhandel. Adoption von Kindern in Guatemala

Menschenhandel. Adoption von Kindern in Guatemala

Menschenhandel

Adoption von Kindern in Guatemala - Oft ein Verbrechen

Ausland, 09.01.2008, DerWesten

Guatemala-Stadt. In Guatemala ist der Handel mit Kindern zu einem blühenden Geschäft geworden: Sie werden zur Adoption freigegeben, in andere Länder verkauft, zur Prostitution gezwungen, misshandelt und umgebracht.



Oft werden Kinderleichen gefunden, denen zuvor die inneren Organe entnommen wurden. Ein Baby kostet in Guatemala bis zu 40 000 Dollar. Zwischen 1997 und August 2007 wurden 29.411 Kinder adoptiert, nur 842 von guatemaltekischen Eltern. 200 Millionen Dollar wurden allein 2006 bei dem Handel mit Jungen und Mädchen umgesetzt, als die Zahl der Adoptionen auf einen bisherigen Höchststand von 4918 angestiegen war. Daran verdienen vor allem korrupte Beamte, Menschenhändler, Anwälte, Ärzte und medizinisches Personal.

Doch der «Nachschub» reicht nicht aus. Deshalb werden Kleinkinder entführt, junge Mädchen geschwängert, um neue «Ware» auszutragen. Hector Dionisio von der Kinderschutzorganisation Casa Alianza in Guatemala-Stadt berichtet etwa von einem 16-jährigen Mädchen, das bereits dreimal schwanger war, das erste Mal mit zwölf. «Es war der Stiefvater, der das Mädchen als Kinderfabrik missbrauchte», sagt er. Das sei keineswegs ein Einzelfall.

Offiziell ist es auch in Guatemala außerordentlich kompliziert, ein Kind für eine Adoptionen zu kommen. Der Sprecher des Generalstaatsanwalts, Jorge Meng: «Es ist schwierig, dass ein Kind ohne Einverständnis der Eltern zur Adoption freigegeben wird.» Und es soll noch schwerer werden, da dem Kinderhandel seit Anfang des Jahres durch die Anwendung der Haager Konvention zum Schutz der Kinder auch in Guatemala ein Riegel vorgeschoben werden soll.

Doch vorläufig ist das die graue Theorie, die Realität sieht anders aus. Denn die kriminellen Netzwerke haben Wege gefunden, um ihr grausames Geschäft erfolgreich betreiben zu können. Allein bis zum Juni vergangenen Jahres wurden in dem mittelamerikanischen Land laut einer Untersuchung der Casa Alianza 216 Babys und Kleinkinder entführt oder geraubt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens ein Kind verschwindet. Ebenso häufig werden Jungen und Mädchen vor den Pforten von Heimen abgelegt. Daher erscheinen in den Zeitungen regelmäßig Anzeigen der Staatsanwaltschaft mit den Fotos von Säuglingen und dem Aufruf an die Eltern, ihre Kinder wieder anzunehmen. Passiert das nicht, wird das Kind zur Adoption freigegeben.

«Das ist eine schreckliche Sache, weil es in Guatemala keine angemessenen Gesetze gibt», sagt Claudia Rivera, die Direktorin von Casa Alianza. Hinter den hohen Mauern des Hauses der Kinderschutzorganisation haben 75 Jungen, 50 Mädchen und 15 Mütter mit ihren Säuglingen Schutz gefunden. Rivera berichtet von einem Fall, als einer Mutter am helllichten Tag ihre neun Monate alte Tochter einfach aus dem Kinderwagen gerissen wurde. Das Kind ist nicht wieder aufgetaucht.

Besonders schlimm sind Fälle, in denen Müttern nach der Geburt das Kind weggenommen wird, weil es angeblich gestorben ist. Im Oktober 2007, leitete die Staatsanwaltschaft Untersuchungen im Roosevelt- Krankenhaus in der Hauptstadt, dem wichtigsten Hospital Guatemalas, ein. Den unglücklichen Eltern waren nach der Geburt die toten Körper von Säuglingen übergeben worden, die nicht ihre Kinder waren. Nach der Beerdigung wurden die Kinderleichen dann wieder aus den Gräbern entwendet, offensichtlich, um Beweise zu beseitigen. Hintergrund, so spekulierte die Zeitung «Prensa Libre», seien illegale Adoptionen. «Auch Organhandel wird nicht ausgeschlossen», schrieb das Blatt. Die Täter werden meistens nicht gefunden. Die Opfer reagieren auf ihre Weise. In der Vergangenheit sind vor allem auf dem Lande mutmaßliche Kinderräuber gelyncht worden.

Der Kinderhandel hat in den vergangenen Jahren in der ganzen Region, von Mexiko bis Panama, aber vor allem in Guatemala, bedrohliche Ausmaße angenommen. Rund 98 Prozent der Adoptionen werden mit Eltern aus den USA abgewickelt. «Das Geld hat aus der eigentlich noblen Angelegenheit ein Geschäft gemacht, in dem Kinder zur Handelsware werden», erklärt Hector Dionisio. «Kinder werden auf Bestellung geliefert.» Und zwar nicht nur zur Adoption. (dpa)

http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/ausland/2008/1/9/news-15086876/detail.html