Letzte Chance für psychisch Kranke
Letzte Chance für psychisch Kranke
ERSTELLT 27.05.08, 22:48h
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Seit Jahren leidet die 54-jährige Helga A. unter der Wahnvorstellung, Behörden und Gerichte hätten nichts anderes im Sinn, als ihr ihre Tochter wegzunehmen. Tatsächlich hatte das Jugendamt die heute 18-Jährige zu deren Schutz schon als kleines Mädchen von der Mutter getrennt. Darunter leidet Helga A. noch heute, wurde deshalb auch wiederholt auffällig.
Gestern war sie vor dem Amtsgericht unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie hatte voriges Jahr am Offenbachplatz mit einem Schirm auf eine junge Frau eingeschlagen, die mit ihrem Säugling auf einer Bank saß. Das Kind schrie fürchterlich. Da habe ich Wut bekommen. Entschuldigen Sie, Herr Richter, sagte die 54-Jährige auf die Frage, was damals in ihr vorging.
Ausgelöst wurde die Attacke offenbar durch ihre Erkrankung, eine paranoide Schizophrenie, die wohl auch Anlass für einen weiteren Vorfall drei Monate später war. Da griff sie sich vor einem Geschäft an der Breite Straße einen Kinderwagen mit einem Säugling und wollte damit wegfahren. Den verdutzten Eltern soll sie entgegnet haben, sie sollten einmal sehen, wie es sei, wenn einem ein Kind weggenommen werde.
Nach diesen Vorfällen ordnete der Amtsrichter eine psychiatrische Untersuchung der 54-Jährigen an. In dem Gutachten wurde ihr Schuldunfähigkeit wegen ihrer schweren psychischen Erkrankung mit Wahnvorstellungen attestiert. Dem Richter blieb deshalb gestern nur die Möglichkeit, sie freizusprechen. Damit verband er aber eine unmissverständliche Warnung. Wenn sie weiter auffällig werde und dabei sogar Kinder zu Schaden kämen, bleibe nur die dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik, erklärte der Richter. Um Gottes Willen, nein, sagte die Angeklagte, die seit geraumer Zeit unter Betreuung steht, um ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen. (huh)
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1211891848623.shtml